ENTER THE VOID
Montag 11.07.2011 19 Uhr
Schaubühne Lindenfels

MOTION BALANCE 1
Freitag, 03.06.2011 10-18 Uhr
HGB Leipzig, Raum 54

WAS WAR - WAS IST - WAS WÄRE WENN
Dienstag, 05.07.2011 20 Uhr
KAFIC, Café der GfzK Leipzig

zu Gast: Andres Veiel, Berlin


Dokumentarfilm, Fiktion, Theater - Divergenzen und Gemeinsamkeiten

zu Gast: Andres Veiel (Berlin)


Moderation: Carsten Möller

Das erste Mal war Andres Veiel am 30. September 2001 zu Gast bei Fernsehen macht schön. Sein preisgekrönter Dokumentarfilm Black Box BRD, im Mai zuvor im Kino gestartet, eröffnete mit einer mondänen Flugaufnahme hin auf die Twin Towers der deutschen Bank in Frankfurt/Main. Sich der Macht aus einer neuen Perspektive nähern, auf Augenhöhe kommen mit dem, was nicht greifbar ist - das war zweifellos die Intention dieser, für einen Dokfilm ungewöhnlichen Einstiegssequenz. Doch angesichts der aktuellen Ereignisse in New York lösten die Bilder damals in erster Linie Beklemmungen aus. Auch und vor allem bei Andres Veiel selbst. Sein Dokumentarfilm, der den deutschen Terrorismus des vergangenen Jahrhunderts zu verarbeiten suchte, eröffnete mit einem Bild, das sich ins kollektive Gedächtnis einbrennen sollte als terroristisches Traumata des 21. Jahrhunderts.

Zehn Jahre sind seither vergangen. Veiel realisierte in dieser Zeit drei Filme, die unterschiedlicher kaum sein könnten - sie laden ein dazu, die Arbeitsweise des Regisseurs genauer zu betrachten: Die Spielwütigen ist eine dokumentarische Langzeitbeobachtung. In Der Kick wurde das akribisch recherchierte Material zum gewaltsamen Tod von Marinus Schöberl im Brandenburger Potzlow zu einem reduzierten Dokumentartheaterstück verdichtet (und im Nachgang als Film adaptiert). Mit Wer wenn nicht wir schließlich debütierte er auf der diesjährigen Berlinale mit seinem ersten Spielfilm. Befragen Theater, Dokumentar- und Spielfilm ihre Themen auf unterschiedliche Weise? Oder ist "Wer wenn nicht wir" am Ende die Fortsetzung des Dokumentarfilms mit anderen Mitteln?

"Was ist?" und "Was wäre wenn?" - auf diese Grundfragen brach der Berliner Regisseur Ulrich Köhler ("Schlafkrankheit") einmal die Unterschiedlichkeit des dokumentarischen und fiktionalen Arbeitsansatzes herunter. "Was war?" möchte man in Hinblick auf Andres Veiels wichtigste Filme ergänzen. Denn verbindendes Element von "Die Überlebenden", "Black Box BRD", "Der Kick" und "Wer wenn nicht wir" ist, dass sie Vergangenheit emotional verdichtet ins Hier und Jetzt bringen. Wie kann man auf Augenhöhe kommen mit dem, was nicht mehr greifbar ist? In Erinnerungsräumen, in denen Rekonstruktion und Fiktionalisierung verschwimmen? Darüber möchten wir sprechen mit Andres Veiel.